Icon des O-Key-Forum auf Schultafel

Forum-Navigation
Du musst dich anmelden um Beiträge und Themen zu erstellen.

Hilfsmittel und Tools zum Keyboarden

Hallo Keyboarder, hallo Niño,
Hab so einiges über den Quintenzirkel im Internet gefunden und gelesen, kommt wohl zum Teil für die Bestimmung der Akkorde und Umsetzung von Tonarten zur Anwendung oder habe ich das Missverstanden. Soll jedenfalls Hilfreich sein wenn man Musikstücke ohne Akkorde hat. Wer weis was über dieses Tool. Oder ist es vielleicht doch sinnlos sich damit zu beschäftigen?
Gruß Klaus

Hochgeladene Dateien:
  • Du musst dich anmelden um auf Uploads zugreifen zu können.

Hallo Klaus,
ja, der gute alte Quinten-(und Quarten-)Zirkel... immer wieder gerne gefragt, schon von meinen Privatmusikschülern damals. Meine Antwort war dann stets: Du brauchst dieses Blatt mit dem Zirkel drauf garnicht, denn du hast den Quintenzirkel immer vor der Nase... und zwar auf der Spieltastatur! Geh doch mal mit dem Finger auf das c1. Dann gehe immer 7 Halbtonschritte aufwärts nach rechts... voilá, das wären schonmal aufsteigend alle Kreuz-Durtonarten/Dominantakkorde x-ten Grades der Reihe nach im Quintabstand (bzw. deren Grundtöne), also so, wie sie auch auf dem Zirkel draufstehen. Dann gehe vom c1 aus 7er-Schritte nach links... das wären dann eben alle absteigenden Be-Durtonarten/Subdominantakkorde x-ten Grades der Reihe nach im Quintabstand (bzw. deren Grundtöne)... du könntest sie auch nach rechts im 5-Halbtonschrittabstand gehen, dann wären es eben Quarten.
Bei den Mollakkorden machst du das Selbe von a aus, um alle Molltonarten und Mollparallelakkorde zu finden.
So, was soll uns das nun sagen? Erstmal hast du es richtig erwähnt, dass man mit dem Zirkel passende Akkorde zu Liedmelodien finden kann, und zwar deshalb, weil sie im Quintenzirkel optisch so schön nah beieinander angeordnet liegen (3 Durakkorde + 3 Mollakkorde = Akkordfamilie). Der Hauptakkord (in Dur, könnte aber auch Moll sein!) steht als Tonika in der Mitte... alle Akkordreihen finden im Lied immer wieder zur Tonika zurück... über verschiedene Wege (Akkordfolgen)... das sind dann Kadenzen. Ab und zu kann auch mal ein Ausreisser dabei sein, zB. die Dominante 4. Grades, was dann von Tonika C aus E wäre.
Aber ich hab das meinen Schülern immer anhand der Tastatur selbst gezeigt, weil man dort auch ohne Blatt blitzschnell verwandte Tonarten und Akkorde finden kann. Im Prinzip liegt der Quintenzirkel ja "ausgerollt" auf den Spieltasten. Ob ich nun auf dem Blatt Halbtonschritte zähle oder am Keyboard, ist doch egal. Am Keyboard geht es superschnell und ist etwas logischer, finde ich. Außerdem kann ich an den Tasten auch den anderen Weg gehen, sprich über die Tonleiter (Intervalle) selbst oder gar über die Akkordbestandteile (GT/Terz/Quint), was aber wieder komplizierter wird. Am Blatt hat man widerum den kleinen Vorteil, dass man die Akkordfamilie direkt beieinander stehen sieht (wenn der Zirkel vollständig ausgeschrieben ist, was bei deinem Bildupload leider nicht der Fall ist).
Was man nun nutzt, bleibt jedem selbst überlassen. ich habe das alles längst im Kopf und kucke im Schlimmstfall auf den Tasten nach (bei bösen Tonarten/Akkorden mit über 3-4 Vorzeichen).
Oft fehlt auf den Quintenzirkelabbildungen auch die ANgabe aller auf- und absteigenden Kreuzchen und Be-chen (dein Zirkel hast das widerum, ist aber kleingedruckt). Hingegen auf den Tasten: einfach mal schnell von fis (1. Kreuz) aus 7 hochzählen, schon habe ich das 2. Kreuz (cis)... wieder 7 hoch kommt gis, was als 3. Kreuz hinzu kommt, wenn eine Tonart 3 Kreuze besitzt. Auch wieder bei Be-Vorzeichen nach links gehen, und zwar vom ersten be aus (bei Taste b)... 7 weiter nach links zum 2. be (Ton es) usw.
Ach ja, die Mollparallelen finde ich übrigens immer durch 3 runter vom Hauptakkord aus. Das nur noch nebenbei, weil es mir einfällt. An den Tasten habe ich also ALLES, was ich für Tonarten, Vorzeichen, Akkordfamilien, Harmonilehre und Intervalle benötige. Den Quintenzirkel nutze ich also nicht auf dem Blatt 🙂
Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht für Stunden beschäftigt. 🙂
beste Grüße
Niño

Hallo Niño,
Danke für Deine schnelle und sehr umfangreiche Antwort. Konnte leider nicht sofort darauf reagieren. Es hat mich Gesundheitlich vorrübergehend entschärft und das schlimme, ich konnte dadurch auch nicht Keyboarden (was mir viel Verdruss bereitete).
Aber nun zu Deinen sehr ausführlichen und leereichen Worten. Also das ist ja schon fast eine Leervideo füllende Ausführung. Wofür ich mich hier vielmals bedanken möchte und das wird mir nicht nur Stunden sondern Tage und immer wieder neue Übungen bringen, die mich auch um einiges Weiterbringen werden. – Danke dafür.
Was macht einen wahren egal in welchem Fach „Wissen Übermittler“ (Lehrer) aus.
1. Sich in den Wissensstand des Fragenden rein zu versetzen.
2. Diesen dann das eigene Wissen verständlich, geduldig und nachhaltig zu vermitteln.
All das finde ich hier und vor allem in den Kurs-Videos – so das wollte ich nur mal los werden.
Deine Ausführungen zum Quintenzirkel hab ich mir ausgedruckt und mit auf den Notenständer gelegt, das wird mir hilfreicher sein als der Zirkel selbst.
beste Grüße
Klaus

Hallo Klaus,

huii, wenn der Klaus was schreibt, fliegen mit dir Lobe immer so um die Ohren... man kommt mit dem sich bedanken kaum hinterher... also schnell einige danke thx DICKES-Danke thanks gracias grazie thank you etc. nachschieben 🙂

Aber unter uns gesagt (auch wenn das hier ja jeder mitlesen kann)... nur bei den beliebtesten Schülern fällt das Engagement von Lehrern/Musiklehrern auffällig groß aus... und das hattest du eben erlebt...

Noch ein Tip, wenn dich dieses Thema so stark interessiert... schau doch folgende 2 Videos an, auch für den Fall, dass sie möglicherweise noch etwas schwierig erscheinen... es geht bei beiden um die angesprochene Harmonielehre:
- Ende-Level-3-Video "zu guter Letzt" (Link hier: https://o-key.de/zu-guter-letzt-3/ )
- Anfang-Level-4-Video "Voyage" (Link hier: https://o-key.de/voyage/ )
Dann sollte auch Klarheit aufkommen, dass es eben nicht nur Harmonielehre-Gesetze für Dur gibt, sondern eben auch für Moll. Das verschweigen Viele ganz gerne, weil es bei Moll nicht ganz so übersichtlich ausschaut, wie bei Dur.

Noch ein Tip:
Erfinde (komponiere) doch einfach einmal eine x-beliebige Melodie in einer x-beliebigen Dur-Tonart (zugehörige Dur-Tonleitertöne verwenden!). Dann versuche Akkorde darauf zu finden, natürlich anhand des neuen Harmonielehre-Wissens, sprich unter Beachtung der Akkordfamilie (3 Dur- und 3 Moll-Akkorde)... kehre auch immer wieder (alle 4 oder 8 Takte) zur Tonika zurück. Wenn es gut klingt, nimm einen passenden Style und eine tolle Voice und spiele das Lied. Wenn es noch nicht sooo gut klingt, dann beschäftige dich zB. einmal mit dem Thema Kadenzen (Akkordreihen).

Sorry, wieder etwas viel geworden 🙂

beste Grüße
Niño